700 Jahre Jubiläum! Der Kirchenwirt in Leogang seit 1326-2026

Salzburger Land - Österreich

1326 – wurde der Kirchenwirt (damals Taverne zu Sankt Leonhard) erstmals urkundlich erwähnt und ist seither durchgängig ein Wirtshaus – und somit das älteste im Salzburger Land in Österreich.

Mittelalter bis Neuzeit:
Seit der ersten Erwähnung im Jahr 1326 erfüllte der Kirchenwirt über ein halbes Jahrtausend zwei Hauptzwecke. Erstens als Dorfgasthof, wo Einheimische nach dem Kirchgang einkehrten, Verträge aushandelten, Karten spielten oder sich nach Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen trafen. Zweitens war der Kirchenwirt zeitweise eine Herberge für Reisende, wobei sich die Ursachen für das Reisen und der gebotene Komfort im Lauf der Jahrhunderte beträchtlich änderten. Leogang liegt an einer der alten Handelsrouten zwischen Gebieten nördlich und südlich der Alpen.  Als der Samerstall im Mittelalter gebaut wurde, wurden Waren auf Menschen- und Pferderücken über die Berge getragen – diese Berufsgruppe nannte man Samer. In nachfolgenden Jahrhunderten wurde dort, wo es die topographischen Gegebenheiten erlaubten, Karrenwegen gebaut. Die Berufsgruppe der Fuhrleute nannte man Karner. Wichtig war diesen Gästen früherer Zeiten, dass ihre Trag- oder Zugtiere gut versorgt waren. Die Gastwirtschaft von damals darf man sich jedoch nicht als einen à la Carte Betrieb vorstellen. Statt dem heute üblichen „Ich hätte gern…“, fragten Gäste eher „Was gibt es heute?“ Übernachtet wurde auf Strohlagern und den Bedarf an fließendem Kaltwasser konnten die Gäste am Brunntrog vor dem Haus decken.

1601 – Landwirtschaft beim Kirchenwirt „Hinterleoganger Zöch“ und Einzug des damaligen Ortsbauernobmanns (Funktion eines Maiers).  Der Handel nahm stetig zu, das Säumerwesen trat in den Vordergrund. Ursprünglich begleitete der Besitzer mit seinen Knechten seine Ware hoch zu Ross. Befördert wurden Waren aller Art, sehr oft Wein, Salz und Getreide.

1751 – Der Pfarrhof war bis zu diesem Jahr das „Oberhaus“ vom Kirchenwirt und diente als Speicher zur Lagerung des Zehentgetreides, denn zum Eigenbedarf hätte nur ein Raum des Gebäudes genügt. Da die Stallungen im obersten Trakt des Gebäudes liegen und sich im Haupttrakt neben dem Pferdestall der sogenannte „Samerstall“ befindet, nimmt man an, dass sich hier die Samer nach harter Reise gelabt, ausgeruht und vergnügt haben.

1875 Eröffnung der Eisenbahn: Umwälzende Veränderungen brachte der Bau der Bahnstrecke zwischen Saalfelden und Wörgl mit einer Anbindung an das europäische Schienennetz. In nur fünf Jahren wurden Gleise und Bahn-Infrastruktur errichtet, der erste Zug fuhr auf dieser Strecke im Jahr 1875. Samer und Karner wurden damit zu einer aussterbenden Berufsgruppe und dem Kirchenwirt kamen mit dem Bau der Bahn die Fuhrleute als Kundschaft abhanden.

Nach mehreren Besitzern erwarb Gabriel Kröll 1878 durch Kauf das Kirchenwirtsgut. Gabriel Kröll, der Ur-Ur-Ur-Großvater der Besitzer des Kirchenwirtes erwarb das Anwesen im Jahr 1878. Ein Zeitungsartikel in der Salzburger Chronik vom 26. August 1880 zeigt, dass Gabriel Kröll sehr früh das Potential von Alpinismus und Fremdenverkehr erkannt hatte. Schon im Jahr 1880 war er Mitglied des Alpenvereins. In dem Artikel wird von einem neuen Weg auf das Birnhorn berichtet und dass interessierte Bergsteiger mittels Korrespondenzkarte mit Gabriel Kröll in Kontakt treten können, um einen Bergführer zu buchen. Auch auf die Anreise mit der Bahn und auf Übernachtungs-Möglichkeiten im Dorfwirtshaus wird in der Zeitung hingewiesen.

Von diesem ging es an Ulrich Stöckl, gewesener Irrachbauer und Unterwirt in Saalbach über, dessen Nachkommen nun in der 6. Familiengeneration immer noch im stolzen Besitz des Kirchenwirts sind.

2010 – Die denkmalgeschützten Gebäude gleich neben der Leoganger Kirche sind heutzutage wegen Küche und Ambiente ein Treffpunkt für Feinschmecker. Wer hier genießt, taucht ein in die romantische Behaglichkeit einer anderen Zeit. Das Gewölbe bietet ein Ambiente, das auch gestressten Seelen Ruhe und Wärme gibt. Der historische Kirchenwirt ist allgegenwertig und wird gekonnt mit modernen Bedürfnissen verbunden. Das Spiel von kreativer Bodenständigkeit hat in diesem besonderen Kulturdenkmal Platz gefunden.

Erste nachweisbare Besitzer ANNO 1562 Salome Kharlin – ihr folgte ANNO 1601 Bartlm. Pünler & Frau Barbara – ANNO 1606 Salome Pühlerin geb. Christerin – ANNO 1646 Fam. Pirnbacher – 1667 Sohn Rupprecht – 1702 Sohn Jakob – 1747 Sohn Franz – Kauf durch Hofherr Franz – 1754 an Töchter und durch Heirat 1755 Georg Poschacher und Frau Anna – 1766 Sohn Sebastian – 1801 Sohn Johann – 1826 Sohn Georg – 1830 Matthias und Agatha Schwarzenbäck – 1870 Johann Wohlfahrtstätter – ANNO 1878 Kauf durch Gabriel Kröll –  Tochter Anna und Ulrich Stöckl – 1915 Sohn Georg Stöckl und Frau Magdalena – 1957 an Sohn Georg Stöckl und Frau Franziska – 1976 an Tochter Elisabeth und Mann Hannes Unterrainer – 2010 an Kinder Barbara Kottke und Hans-Jörg Unterrainer – aktuelle Gastgeber.
(nach archivalistischen und traditionellen Unterlagen gesammelt von Oberschulrat Ludwig Pürstl)

Tradition never gets old…“
Der Kirchenwirt hat seit 1326 unzähligen Gästen Rast, Ruhe und Erholung geboten. Selbst Kaiser und Könige haben in den vergangen Jahrhunderten Halt im Kirchenwirt gemacht. Ein bedeutendes Erbe aus der Vergangenheit ist das gotische Schüttgewölbe im denkmalgeschützten Samerstall. Das Wirtshaus zeigt sich heute, nach einer minuziösen Restaurierung, in diskreter Eleganz und mit dem Komfort eines modernen Hotels. Die bereits 6. Familiengeneration profiliert ein authentisch, historisches Hotel und das älteste Wirtshaus im Salzburger Land  als Kulturgut und belebt dies emotional. Dabei wird ein kulturelles Gesamterlebnis vermittelt, das mit allen Sinnen genossen werden kann. Gäste vom Kirchenwirt erwartet eine unvergleichliche Erlebnisfülle, die von der echten historischen Substanz ausgeht. Hier wird Geschichte anhand von Originalen erlebbar gemacht – eingebettet in Kultur und Natur.

Der Kirchenwirt l(i)ebt Tradition

150 Jahre Familiengeschichte 1878-2028

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Ein herzliches Dankeschön der Autorenschaft:
Brigitte Niederseer, Stadtarchiv Mittersill – Stand 2026

Der Kirchenwirt in Leogang seit 1326

Sehnsucht nach dem Kirchenwirt

Einem Gefühl nachspüren, das noch immer in mir hängt. Die Stunden im Kirchenwirt, was es ausmacht. Zum ersten Mal den Kirchenwirt gemächlich betreten und sofort wohl gefühlt, gleich gespürt: an diesem Ort will ich bleiben. Nun sitze ich schreibend, erinnere mich. Worte fließen – ein Text entsteht.

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Text von Prof. Dr. Friedric Idam – Historiker